frech & quer
"Denk quer, dann kommst du auf die richtige Bahn."
“Schreiben Sie auch Grösseres?”
”Nein, nur Grosses.“
Stanislav Jerzy Lec, Satiriker und Aphoristiker
Unsere Welt ist voll von Bildern, Videos, Texten, überwiegend langen. Videos heischen nach deine Aufmerksamkeit, halten dich um der Verweildauer willen hin. Autoren walzen ihr Wissen in lange Artikel und dicke Bücher aus. Journalisten und Reporter mixen aus Fakten, oft auch Vermutungen und Indiskretionen lange Artikel, Podcasts, Videos und TV-Beiträge.
Ich will das nicht kritisieren. Nur, mir es ist schon lange zu viel, zu mühsam. Mir fehlen Zeit und Geduld, das alles zu konsumieren. Manche Lektüren und Videos breche ich ab, weil ich den Tiefgang vermisse. Ich lechze nach Kurzem, auf einen Blick Erfassbarem. Und erst noch mit Substanz. Gibt es denn so etwas?
Aphorismen
Aphorismen sind kurze, prägnante Ein- oder Zweizeiler. Sie drücken Ansichten und Erkenntnisse pointiert, ironisch bis sarkastisch und sprachlich kunstvoll aus. Sie haben das Potenzial, Aufmerksamkeit zu erzeugen, zum Nachdenken anzuregen und im besten Fall neue Perspektiven zu eröffnen, vielleicht sogar ein Umdenken zu bewirken. Wegen dieses Potenzials und ihrer Effizienz, schätze ich diese Literaturform besonders.
Stanislav Jerzy Lec
Der Grossmeister des Aphorismus ist der polnischen Dichter und Satiriker Stanislav Jerzy , welchen ich eingangs zitiert habe. Wen du mehr über ihn erfahren willst, hier Sein bekanntestes Werk, die „Unfrisierten Gedanken“ ist 1957 erschienen. Schade, dass Lec 9 Jahre später mit 57 Jahren schon verstorben ist.
Bildnachweis: Wikipedia, Stansilav Jerzy Lec, File:Stanislaw Jerzy Lec Polish writer.jpg, Common Licence.
Blog “frech & quer”
Ich veröffentliche in diesem Blog Aphorismen, zitierte und eigene, solche von Lec auf jeden Fall. Ich verwende sie als Aufhänger für meine Kommentare zu gesellschaftlichen, philosophischen und politischen Themen; die Liste ist nicht abschliessend. Getreu meinem Credo werde auch diese Texte kurz und prägnant halten.
Aphorismen, wie ich sie mag, treffen dich ins Herz und prägen sich deinem Gehirn ein. Sie überraschen, tun weh, wecken Widerspruch, eröffnen neue Perspektiven. Lec galt als Satiriker. Satiriker sind intellektuelle Oppositionelle. Sie nehmen die Gegenposition ein, stellen scheinbar Selbstverständliches und die „Herrschenden“ in Frage. Sie weisen auf „der Kaisers neue Kleider“ hin, die nur in der obrigkeitlichen Legende existieren. Sie sprechen aus, was die Mehrheit nicht denken will. Sie sind frech, doch nicht verletzend. Und sie liegen quer zum Mainstream.
Volksweisheiten und Sprichwörter gehören nicht unbedingt in diese Kategorie. Sie bestätigen eher, was alle zu wissen glauben oder gemäss einer vagen Mehrheitsmeinung glauben sollten. Ich meine das nicht despektierlich. Es sind einfach keine Aphorismen, wie ich sie mag.
Let’s go. Ich kenne meinen Rhythmus noch nicht, weiss aber, dass mein Kopf und mein Notizblock voller Idee sind.


